Der Lippeverband wurde im Jahr 1926 gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit Wirtschaft, Gesundheit und Sicherheit der Menschen zu bringen. Seitdem wurden sowohl wasserwirtschaftliche als auch gesellschaftliche Herausforderungen gemeistert und die Region entscheidend mitgestaltet. Von Anfang an hat der Lippeverband wichtige Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge übernommen. Im Mittelpunkt stehen dabei heute die Abwasserreinigung, der Hochwasserschutz und das Engagement für das blaugrüne Leben in der Region. Durch Maßnahmen in den Bereichen Klimafolgenanpassung und Renaturierung werden Mehrwerte geschaffen für die Menschen und die Natur.
Zeit, einen Blick
zurückzuwerfen
- 1926
-
19. Januar 1926Am 19. Januar wird das Lippegesetz verkündet und der Lippeverband gegründet. Die neuen Aufgaben sind die „Verwaltung des Wasserschatzes im Genossenschaftsgebiet sowie die Herstellung, die Unterhaltung und […] der Betrieb von Anlagen für die Erhaltung und Ausnutzung des Wasserschatzes“.
- 1932
-
1932In Soest geht die erste vom Lippeverband errichtete Kläranlage mit biologischer Reinigung in Betrieb. Die Anlage dient dem Schutz der Ahse. Zuvor hat der Verband bereits einige gemeindliche Kläranlagen übernommen und zum Teil ausgebaut.
- 1933
-
1933Am Kuhbach in Bergkamen geht das erste Pumpwerk des Lippeverbands in Betrieb. Es hat die Aufgabe, den aufgrund von Bergsenkungen steigenden Grundwasserstand abzusenken. Der Kuhbach wurde zudem vertieft, begradigt und mit einer festen Sohle ausgestattet.
- 1939 bis 1945
-
1939 bis 1945Historische Forschungen zeigen, dass Lippeverband und Emschergenossenschaft Teil des menschenverachtenden nationalsozialistischen Systems waren: Beide Wasserverbände entließen Mitarbeitende jüdischen Glaubens oder sozialdemokratischer Überzeugung und beschäftigten über ihre Auftragnehmer*innen indirekt Zwangsarbeiter*innen auf ihren Baustellen. Aus dieser historischen Verantwortung heraus leiten EGLV heute einen klaren Auftrag ab: Demokratie zu fördern – nach innen wie nach außen.
- 1961
-
1961Bei Heil, das heute zu Bergkamen gehört, nimmt der Lippeverband die erste Flussbelüftungsanlage Deutschlands in Betrieb. Durch Rohre wird mit einem Gebläse Luft in das Wasser gepresst – trotz ihrer einfachen Ausführung bewährt sich die Anlage gut.
- 1964
-
1964Am Wehr in Lünen-Beckinghausen türmen sich hohe Schaumberge. Ursache ist die zunehmende Verwendung tensidhaltiger Waschmittel seit Mitte der 1950er-Jahre. Diese können mit damaliger Anlagentechnik nicht ausreichend aus dem Abwasser entfernt werden und gelangen so in die Lippe.
- 1970
-
1970Der Wasserverband Westdeutsche Kanäle (WWK) nimmt seine Arbeit auf. Zu den Aufgaben gehören die Sicherstellung einer nachhaltigen Wasserversorgung der Lippe sowie die Trink- und Brauchwasserbereitstellung aus dem westdeutschen Schifffahrtskanalnetz. Die Geschäftsführung wird dem Lippeverband übertragen.
- 1975
-
1975Der 1937 in Hamm-Herringen errichtete Lippe-Deich wird aufgrund bergbaulicher Einwirkungen erhöht. Heute ist er mit inzwischen 17,47 Metern Höhe einer der höchsten Flussdeiche in Europa.
- 1978
-
1978Die Wasserqualität in der Lippe entwickelt sich positiv. Erstmals verschwindet im sogenannten Wassergütebild des Gewässers die Farbe Rot, die bisher den schlechten Zustand der Lippe – insbesondere unterhalb von Hamm – dokumentiert hatte.
- 1979
-
1979Das ökologische Demonstrationsprojekt „Ufergestaltung der Lippe bei Wesel“ beginnt.
In Marl am Sickingmühlenbach wird zum ersten Mal ein Rückhaltebecken unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte gestaltet.
- 1982
-
1982Die Bemühungen zum Schutz der Natur zeigen an vielen Orten Wirkung: Der Hasseler Mühlenbach in Herten ist der erste naturnah umgestaltete Bach des Lippeverbands.
- 1984
-
1984In den 1980er-Jahren werden die kanalisierte Form der Gewässer und die offene Abwasserführung unter ökologischen Gesichtspunkten infrage gestellt. Der Lippeverband erstellt ein Konzept zur Verbesserung der Abwasserverhältnisse – es ist die Grundlage für das „Seseke-Programm“. Die Seseke und ihre Nebenläufe werden in eine abwasserfreie und naturnahe Flusslandschaft verwandelt.
- 1986
-
1986Die Kläranlage Hamm-Mattenbecke wird fertiggestellt und in Betrieb genommen. Damit werden nun alle in Kanalisationen erfassten Abwässer des Verbandsgebietes vor der Einleitung in die Lippe durch Kläranlagen auch biologisch gereinigt. Mit diesem 100-prozentigen Erfassungsgrad liegt der Lippeverband über dem Durchschnitt der Bundesrepublik Deutschland.
- 1997
-
1997Das Lippeauenprogramm wird als Rahmen für die naturnahe Entwicklung von Fluss und Aue verabschiedet. Hintergrund dabei war die Erkenntnis, dass in Nordrhein-Westfalen die Lippe der einzige große Fluss ist, der noch von der Quelle bis zur Mündung als Naturfluss entwickelt werden könnte.
- 1998
-
1998Die ökologische Verbesserung der Lippe zeigt Wirkung: Erstmals seit rund 150 Jahren wird wieder ein Lachs gesichtet. Dass der Fisch sich in der Lippe blicken lässt, ist auch ein Beleg für den Erfolg der Abwasserreinigungs-Methoden des Lippeverbands.
- 2005
-
2005Die Lippe-Fähre „Baldur“ in Dorsten macht ihre Jungfernfahrt. Gebaut wurde sie von Auszubildenden der Zechen „Auguste Victoria/Blumenthal“ und „Lippe“. Ihren Namen erhielt die erste Personenfähre des Lippeverbands von der Schachtanlage, die in den 1920er-Jahren im Süden von Dorsten die Kohle förderte.
- 2006
-
2006Nach umfangreichen Maßnahmen ist der Körnebach in Dortmund/Kamen wieder ein Reinwasserlauf. Rund acht Jahre hat es gedauert, den 12,9 Kilometer langen Bach vom Abwasser zu befreien.
- 2007
-
2007Der Lippeverband übernimmt die Unterhaltung des 800 Kilometer langen Kanalnetzes in Hamm – ein Erfolgsmodell, wie sich noch herausstellen wird. Die Übertragung ist Teil eines Kooperationsmodells, bei dem sondergesetzliche Wasserverbände die Aufgabe der Abwasserbeseitigung von den Kommunen übernehmen.
- 2009
-
2009Auf der Kläranlage in Bad Sassendorf geht eine neue Ozonierungsanlage in Betrieb – die bundesweit erste dieser Art in der kommunalen Abwasserbehandlung. Auf der Kläranlage Hünxe startet die neue Membranfiltration. Beides sind zusätzliche Klärtechniken, die zur sogenannten „Vierten Reinigungsstufe“ zählen und Spurenstoffe, etwa Rückstände von Medikamenten oder Pflanzenschutzmitteln, aus dem Abwasser filtern.
- 2010
-
2010Im interkommunalen Projekt „Über Wasser gehen“ realisieren zwölf Künstler entlang des Seseke-Wegs individuelle Skulpturen, Installationen oder begehbare Objekte – wie hier die Pixelröhre vom Künstlerduo Winter/Hörbelt. Diese thematisieren den Wandel der Seseke von einem Kanal zu einem natürlichen Gewässer.
- 2013
-
2013Die Jungfernfahrt der Lippe-Fähre „Lupia“ in Hamm wird von mehr als 100 offiziellen Gästen und Spaziergänger*innen verfolgt. Der Einweihung vorausgegangen war ein Namenswettbewerb, an dem sich viele Hammer Bürger*innen beteiligt hatten: „Lupia“ ist der lateinische Name des Flusses Lippe.
- 2013
-
2013Nach mehr als dreijähriger Bauzeit wird an der Seseke in Bönen das Hochwasserrückhaltebecken in Betrieb genommen. Mit 340.000 Kubikmetern Fassungsvermögen ist es eines der größten Rückhaltebecken im Gebiet des Lippeverbands. Geschützt werden die Unterlieger Heeren-Werve, Kamen und Lünen.
- 2013
-
2013Neben der allgemeinen Pflicht der Gewässerunterhaltung übernimmt der Lippeverband auch die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie an der Lippe. Hierzu startet das Programm „Lebendige Lippe“. Im Auftrag des Landes NRW setzt der Lippeverband zahlreiche Maßnahmen um.
- 2014
-
2014Die neue Lippe-Aue bei Wesel ist fertig: Am Unterlauf der Lippe ist eine ausgedehnte Aue kurz vor dem Rhein entstanden – ein Eldorado für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
- 2014
-
2014Das „Seseke-Programm“ kommt weitgehend zum Abschluss. In jahrzehntelanger Arbeit ist es gelungen, die Seseke und ihre Nebenläufe in eine abwasserfreie und naturnahe Flusslandschaft zu verwandeln. Anlagen, Wasserqualität und Ökosysteme werden weiter kontinuierlich überwacht, um das Gleichgewicht der Natur langfristig zu sichern.
- 2015
-
2015In Haltern am See wird die Lippe-Fähre „Maifisch“ eingeweiht. Sie ist eingebunden in den Fernradweg „Römer-Lippe-Route“, der von Xanten bis Detmold führt. Benannt ist die Fähre nach dem ehemals im Rheinland weit verbreiteten gleichnamigen Speisefisch.
- 2016
-
2016Mit der Erneuerung der Hochwasserschutzdeiche in Haltern-Lippramsdorf und Marl („HaLiMa“) wird der Hochwasserschutz langfristig auf eine solide Grundlage gestellt. Das Gesamtprojekt hat riesige Dimensionen: Insgesamt werden 3,2 Millionen Kubikmeter Boden bewegt. Neben dem Deichbau werden in den kommende Jahren auch die alten Deiche abgetragen und die Lippe neu modelliert.
- 2018/2019
-
2018/2019Der Lippe-Region wird der Titel „Flusslandschaft des Jahres“ verliehen. Vergeben wird die Auszeichnung von den NaturFreunden Deutschlands und dem Deutschen Angelfischerverband.
- 2019
-
1. Januar 2019Seit dem 1. Januar 2019 ist der Lippeverband für die gesamte Abwasserbeseitigung in der Gemeinde Nordkirchen zuständig, inklusive des Kanalnetzes, der Pumpwerke und der Kläranlage. Diese Aufgabenübertragung erfolgte auf Basis des Landeswassergesetzes Nordrhein-Westfalen mit Zustimmung des Umweltministeriums, um eine effiziente und nachhaltige Abwasserwirtschaft aus einer Hand zu ermöglichen.
- 2020
-
9. September 2020Am 9. September eröffnen der Lippeverband und die Stadt Haltern am See gemeinsam das erste Blaue Klassenzimmer. Auf einer 220 Quadratmeter großen und von Bäumen umringten Fläche an der Stever kann nun Unterricht direkt am Gewässer stattfinden.
- 2020
-
2020Ein Historiker-Team der Ruhr-Universität Bochum forscht im Auftrag von Lippeverband und Emschergenossenschaft zur Geschichte der beiden Verbände im Zeitraum 1930 bis 1960. Dabei steht auch die Mitverantwortung für Verbrechen des Nationalsozialismus im Fokus. Die Ergebnisse werden in dem Buch „Fließende Grenzen – Abwasserpolitik zwischen Demokratie und Diktatur“ veröffentlicht.
- 2023
-
2023Der Erlebensraum Lippeaue wird von der Stadt Hamm und dem Lippeverband im Beisein von NRW-Umweltminister Oliver Krischer feierlich eröffnet. Auf einer Fläche von 195 Hektar wurde ein fünf Kilometer langer Abschnitt der Lippe naturnah umgestaltet. Mehr als fünf Jahre hat die Umsetzung des Umweltschutzprogramms gedauert.
- 2024
-
2024Die Zukunftsinitiative „Klima.Werk“ wächst ins Lippeverbandsgebiet hinein: Anfang des Jahres wird die Stadt Dorsten als Lippe-Mitglied offiziell aufgenommen: Prof. Dr. Uli Paetzel überreicht die Urkunde an Holger Lohse (Technischer Beigeordneter Stadt Dorsten) und Annette Ebener (Tiefbauamt Stadt Dorsten). Beim „Klima.Werk“ steht der wasserbewusste Stadtumbau im Mittelpunkt – also der Umbau zur Schwammstadt.
- 2025
-
2025Die Gemeinde Reken überträgt die Kanalnetzunterhaltung an den Lippeverband. Diese öffentlich-öffentliche Partnerschaft schafft Synergien und ermöglicht eine effiziente Gestaltung der Aufgaben der Abwasserbeseitigung.
- 2026
-
19. Januar 2026Der Lippeverband feiert sein 100-jähriges Bestehen. Die Vorstände Prof. Dr. Frank Obenaus (Wassermanagement & Technik), Liana Weismüller (Personal & Nachhaltigkeit) und Prof. Dr. Uli Paetzel (Strategie & Finanzen/Vorstandsvorsitzender) freuen sich auf das Jubiläumsjahr.
Das war erst der Anfang
Wir sorgen seit über 100 Jahren für mehr Lebensqualität in der Emscher-Lippe-Region: Wir denken Wasserwirtschaft weiter, indem wir Lebensräume entlang unserer Gewässer schützen, unsere Städte nachhaltig entwickeln und Verbindungen neu denken. Dazu verwandeln wir mutige Ideen in konkrete Projekte – und laden Sie ein, diese nicht nur kennenzulernen, sondern zusammen mit uns an einer blaugrünen Zukunft mitzuwirken. Gemeinsam sorgen wir für Veränderung. Für heute und morgen.